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Wachsen sich Lernschwächen aus?

Derartige Prognosen sind beruhigend gemeint und es ist sicherlich auch richtig, dass anfängliche Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreiben- lernen nicht gleich ein Hinweis für eine Lese- oder Rechtschreib- schwäche sind.


Wächst sich eine Lese-Rechtschreibschwäche aus?

Schon in den ersten Klassen können sich Lernschwierigkeiten, die auf das Lesen und Schreiben beschränkt sind, ankündigen. Die weit verbreitete Auffassung, es würde sich um "Anfangs"schwierigkeiten handeln, die sich mit der Zeit von selbst "auswachsen" würden, kann ein folgenschwerer Irrtum sein.

Traurig_180Man kann an lese-rechtschreibschwachen Kindern in der dritten und vierten Grundschulklasse und selbst in den höheren Klassen erkennen, dass ihr Lernproblem sie von Klasse zu Klasse begleitet hat. Leider wird zu oft abgewartet bis in der Schule die ersten Noten gegeben werden, zum Teil wird erst im dritten oder vierten Schuljahr, wenn die ersten ungeübten Diktate und Aufsätze geschrieben werden, eingesehen, dass sich das Problem nicht "auswächst". Dann "entlarvt" sich mancher Schüler als Problemkind, das plötzlich anfängt, durch die "unmöglichsten" Fehler aufzufallen.

Rechtschreibschwächen wachsen sich nicht aus!

Dr. Ilona Löffler, Leiterin des gutschrift|Instituts hat in der internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) über 120.000 Einzelfehler der Viertklässler in Deutschland analysiert und einwandfrei nachgewiesen, dass sich Rechtschreibschwächen nicht mit der Zeit von allein auswachsen.


Lese-Rechtschreibschwächen erschweren Erfolge in allen Fächern

Die Leistungen in den anderen Fächern können aufgrund der Lese- und Schreibschwierigkeiten abfallen. Beim Rechnen tauchen z.B. schon bei den ersten kleinen Aufgaben, die mit einem Text verbunden sind, Lösungsschwierigkeiten auf und das betroffene Kind kann trotz seines mathematischen Verständnisses die Leistungen nicht mehr erbringen, zu denen es eigentlich fähig ist.

Lesen und Rechtschreiben sind fundamentale Voraussetzungen für sämtliche Schulleistungen, da es kein Schulfach gibt, das ohne das Lesen und Schreiben auskommt. Lernschwächen hier zeigen sich bei einem großen Teil der betroffenen Schulkinder nicht nur in einer mangelhaften Deutschnote, sondern über kurz oder lang auch in den schriftlichen Teilen aller anderen Schulfächer.

Sie haben eben Schwierigkeiten, Texte aus Schulbüchern oder sonstige Erklärungen zu lesen (Textaufgaben im Rechenbuch, Anweisungen an der Tafel) und eigene Gedanken oder Lösungsmöglichkeiten aufzuschreiben. Der Leistungsabfall in anderen Fächern ist also nicht verwunderlich. Erstaunlich ist eher der umgekehrte Fall, dass ein Kind trotz seiner Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben den Klassendurchschnitt in anderen Fächern halten kann oder manchmal sogar Bestleistungen darin erbringt.

Was andere Kinder selbstverständlich leisten, ist für sie eine besondere Anforderung und Anstrengung:

  • unterrichtsvorbereitende Texte etwa für den Sachunterricht oder in den weiterführenden Schulen für sämtliche Nebenfächer sind zu lesen;
  • Arbeitsanweisungen oder Textaufgaben müssen gelesen und verstanden werden;
  • Tafelbilder oder Hausaufgaben abschreiben oder in den weiterführenden Schulen im Unterricht wichtige Lerninhalte mitschreiben;
  • eigene Texte (Aufsätze, Referate etc.) verfassen.

Für diese Kinder ist all das sehr viel schwieriger.
Ein Leistungsabfall auch in anderen Fächern oder eine allgemeine Lernunlust ist vielleicht auf eine unbeachtet gebliebene Lese-Rechtschreibschwäche bzw. Legasthenie zurückzuführen.


Eltern bemerken die Lernprobleme als erste

Vor allem in den ersten Klassen kommt den Eltern eine wichtige Rolle in der Früherkennung einer Lese-Rechtschreibschwäche zu, da die Lernprobleme z.B. wegen der zu Hause geübten Diktate in der Schule zunächst verborgen bleiben können. Wenn bereits die ersten Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesen und Schreibens ernst genommen und mit der Lehrkraft besprochen werden, können differenzierte Fördermaßnahmen in der Klasse sowie eine abgestimmte häusliche Unterstützung einsetzen.

  • Jedoch sollten Eltern und Lehrer nach drei Monaten neu entscheiden, ob die schulischen Möglichkeiten der Förderung ausreichen oder ob eine detaillierte Untersuchung der Lernprobleme durch einen Spezialisten durchgeführt werden sollte.
  • Versagt ein Kind nicht nur im Lesen oder im Schreiben, sondern auch in anderen Fächern, sollte nicht einfach auf mangelnde Begabung geschlossen werden. Fallen die Leistungen in anderen Fächern ab, so kann dies durchaus die Folge einer bisher unerkannt gebliebenen Lese-Rechtschreibschwäche bzw. einer Legasthenie sein.

Wann können Lernprobleme untersucht werden?

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Schon in den ersten beiden Grundschuljahren kann überprüft werden, ob es sich bei den Problemen im Schreiben oder beim Lesen um bloße "Startschwierigkeiten" handelt, oder ob ein Kind im Vergleich zu seinen Mitschülern einfach "hinterherhinkt".

 


Was können Eltern bei den Hausaufgaben bemerken?

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Achten Sie als Eltern z.B. auch auf die Hausaufgabensituation. Wenn ein Kind permanent die Hausaufgaben nur mit großen Anstrengungen und nur mit ständiger Hilfe der Eltern bewältigen kann, wenn es mehr übt als seine Klassenkameraden, wenn es die Lernfreude verliert dann sollten Eltern nicht mehr abwarten und immer weiter versuchen, Lernrückständen mit Üben und noch mal Üben Herr zu werden.

Lassen Sie sich beraten, wie die Lernprobleme einzuschätzen sind und was sie weiter tun sollen.

  • Lese- und/oder rechtschreibschwache Kinder und Jugendliche können die im Lehrplan Deutsch vorgeschriebenen Inhalte und den darauf aufbauenden Klassenunterricht nicht angemessen als Lernangebot nutzen.
  • Wenn auf Dauer ein Kind hinter den Zielen des Lehrplans zurückbleibt, klaffen die individuellen Voraussetzungen, um die Lehrplanziele bewältigen zu können, und der Unterricht, der die Lehrplanziele einhalten muss, immer weiter auseinander, d.h. die Lücken werden immer größer.
  • Wir haben wissenschaftlich überprüft, dass sich die fehlerhaften Schreibvarianten rechtschreibschwacher Kinder von Klasse zu Klasse vermehren. Zweitklässler schreiben die Fehlerklippe "tz" in dem Wort "Matratzen" mit 4 Varianten ("ts, z, t, s"). Bei rechtschreibschwachen Viertklässlern ist diese Fehlerquelle zu 12 Fehlervarianten ausgewachsen.

Eltern, die sich bei der Einschätzung der Lernfortschritte ihrer Kinder beim Lesen und Schreiben einfach unsicher sind, sind deshalb besser beraten, sich durch eine testdiagnostische Überprüfung Sicherheit zu verschaffen, als einfach abzuwarten und im schlimmsten Fall mitzuerleben, wie sich eine nicht erkannte Lese-Rechtschreibschwäche auf die Lernlust und den Lernerfolg ihres Kindes auswirkt. Lassen Sie es nicht zu, dass sich bei Ihnen und anderen langsam das Urteil einstellt, dass Ihr Kind eben ein "schlechter" Schüler ist.


 

 


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